Monatswort Oktober – November

Ich grüße Sie mit dem Monatsspruch für Oktober: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl. (Jeremia 29, 7)

Hier malt uns die Bibel das himmlische Jerusalem vor Augen als Idealbild für menschliches Zusammenleben. Das himmlische ist nicht das heutige Jerusalem, das tief zerrissen ist durch viele Konflikte. Vielmehr geht es um eine Welt, die Gott uns verheißt. In ihr leben Alte und Junge, Reiche und Arme, Frau und Mann, Menschen verschiedener Herkunft in Frieden miteinander. Die Menschen begegnen sich in ihrer Unterschiedlichkeit und freuen sich aneinander.

Das Gegenbild stellt Babylon dar. Der Moloch, die Stadt der Ellenbogen, des Jeder- gegen-jeden, wo alle zuerst an sich denken. Die Welt, wo es wenig Respekt gibt, weder vor anderen, noch vor Gott. Gott lässt aber auch dieses „Babylon“ nicht fallen. Er sieht es als verbesserliche Stadt und ruft uns in die Verantwortung. Das öffnet die Augen auch für die dunklen Seiten unserer Welt. Gott will ihr Bestes! Was ist nun das Beste, das wir für unsere Städte und Dörfer suchen können? Die biblische Tradition macht die Schwachen zum Kriterium dafür, wie gut ein Gemeinwesen funktioniert und ob es vom Segen Gottes erfüllt ist. Das Beste der Stadt misst sich daran, ob und welchen Platz die Armen in ihr haben, ob gut für die Kranken und für die Sterbenden gesorgt ist, ob die Fremden und Flüchtlinge zu ihrem Recht kommen und gastfreundlich aufgenommen werden. Wir wissen auch um die Grenzen menschlichen Denkens und Handelns. Wir sind Menschen, nicht Gott. Deshalb gehören die Suche nach dem Besten und das Gebet für unsere Welt zusammen. Hier haben wir Christinnen und Christen eine besondere Verantwortung und Aufgabe. Denn, wo sieben Tage die Woche rund um die Uhr gearbeitet wird, wo alles auf Leistung und Erfolg ausgerichtet ist, wo unsere Grenzen aus dem Blick geraten, verliert das Zusammenleben leicht sein menschliches Gesicht. „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie!“ Die zweite Satzhälfte erinnert uns daran, dass Grenzen heilsam sind. Dass wir Sonn- und Feiertage brauchen, dass wir nicht perfekt sein müssen, sondern dass es zu unserer Menschlichkeit gehört, schwach zu sein, Fehler zu machen, loszulassen und am Ende in Frieden zu sterben. Deshalb ist es für das Beste der Welt wichtig, regelmäßig innezuhalten und sich zu besinnen – im Gottesdienst, im Gebet, in der Stille. Uns zu vergewissern und es anderen zu sagen, dass wir nicht alles in der Hand haben und nicht alles in der Hand haben müssen, sondern aus der Gnade und dem Segen Gottes leben. So werden wir mit seinem Segen auch durch diese Herbstzeit gelangen!

Pfarrerin Swantje Adam

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