Monatswort Oktober-November 2019

Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben! Tob 4,9

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen mit dem Monatsspruch für Oktober geht, bei mir hat sich beim Lesen so ein bisschen ein schlechtes Gewissen breit gemacht. Oder zumindest Nachdenklichkeit. Schöpfe ich aus dem Vollen, wenn ich Almosen gebe, wenn ich spende?

Oder gebe ich eher nur den Teil bei dem ich mir sicher bin, dass ich ihn nicht brauche? Das was übrig bleibt, wenn ich meinen Lebensunterhalt bestritten habe? Vielleicht noch nicht einmal das, es könnte ja Unvorhersehbares auftreten und dann stehe ich ohne Geld da. Tatsache ist aber, es gibt immer Menschen denen es schlechter geht als mir. Wie so oft steht Gottes Wort in krassem Wiederspruch zu dem, was mir jeden Tag an Botschaften begegnet. Da wird dazu angehalten auch das letzte bisschen Geld noch auszugeben, weil sich sparen ja nicht lohnt. Es gibt Werbebotschaften, die mir zu vermitteln versuchen, was ich alles dringend kaufen muss und wie billig das doch ist. Die Frage ist: Wenn ich all mein Geld ausgebe, macht mich das zufriedener? Der Gegenentwurf dazu sind Menschen, die quasi mit nichts leben. Also ohne Besitz. Kein Haus, wenig Kleidung, kein Auto, im Haushalt so wenig Dinge wie irgend möglich. Sie sind sozusagen freiwillig arm. Zumindest an Dingen. Sie wollen nicht arbeiten gehen um sich Dinge zu kaufen die sie nicht brauchen. Ihr Gewinn ist Lebenszeit, die sie selbstbestimmt gestalten können. Wenn das Kaufen der zehnten Hose oder des zigsten Paares Schuhe mich nicht zufriedener macht, dann kann ich doch genauso gut aus dem Vollen schöpfen und Almosen geben? Warum fällt es mir schwerer, das Geld zu spenden als etwas dafür zu kaufen, das ich bei genauerer Betrachtung gar nicht unbedingt gebraucht hätte? Natürlich müssen Dinge ersetzt werden, wenn sie kaputt gehen. Aber oft genug kaufe ich die neue Hose, bevor eine andere kaputt gegangen ist. Wahrscheinlich klingt da die Angst durch, dass es ja sein könnte, eine Hose geht kaputt und ich habe dann kein Geld eine neue zu kaufen. Die Hose ist natürlich nur ein Beispiel und lässt sich beliebig durch andere Dinge ersetzten. Neuer Computer, neuer Fernseher, neues Handy, die Wenigsten kaufen diese Geräte, weil ein altes kaputt ist. Meist ist der Grund die Weiterentwicklung der Technik. Die neuen Geräte „können“ mehr und reizen damit unsere Neugier. Wenn wir uns davon lösen könnten, wäre es uns möglich aus dem Vollen zu schöpfen. Auch und gerade zum Erntedankfest. Klar macht es Mühe, die Erntegaben zur Kirche zu bringen. Aber gerade dort könnten wir doch aus dem Vollen schöpfen und Menschen unterstützen, die auf Lebensmittelspenden angewiesen sind.

Angela Frenzel

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