Monatswort Dezember 2019 – Januar 2020

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott. Jesaja 50,10

Es gibt Monatssprüche, die sind ganz schön stachelig. So wie dieser hier. Das könnte man aber auch vom Leben sagen. Dass es stachelig sein kann, meine ich. Vor dreißig Jahren hat sich, zumindest bei den Meisten von uns, das Leben hier in unseren Gemeinden grundlegend verändert. Klar, die Zeit während und nach der Wende war spannend, keine Frage. Sie war aber auch mit großen Veränderungen verbunden. Plötzlich sollten wir uns in einem fremdem System zurechtfinden.

Das hat, zumindest bei mir, für große Verunsicherung gesorgt. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich Angst vor der Zukunft. Vorher war sie mir noch so vorhersehbar und langweilig erschienen, dass ich mir Gedanken gemacht habe, wie ich dem vorgezeichneten Weg im sozialistischen Betrieb entkommen könnte. Dann plötzlich schien alles möglich zu sein. Ein paar Jahre später hatte sich Ernüchterung breit gemacht. Was nützt einem die Freiheit, wenn man kein Geld hat um zu reisen? Was nützen einem ungeahnte Möglichkeiten wenn man arbeitslos ist? Das war schon eine ziemlich dunkle Zeit für mich. Trotz Umschulung keine Arbeit zu finden war schlimm. Schließlich war ich nicht freiwillig arbeitslos. Das hat jahrelang an meinem Selbstwertgefühl genagt. Lichtblicke waren unsere Kinder, die wir in jenen Jahren bekamen und großzogen. Und dieser Bote, denn damit hatte ich eine Aufgabe jenseits von Kindern und Haushalt. Trotzdem fühlte ich mich oft einsam, nicht ausgelastet und schuldig. Ich hatte das Gefühl, irgendetwas falsch gemacht zu haben, die falschen Entscheidungen getroffen zu haben. Bis ich eines Tages verstand, dass die ganze Situation nicht meine Schuld war. Wenn man im Dunkel sitzt, kann man ganz schnell in Selbstmitleid versinken. In so einer Situation ist es gut, wenn einem einfällt, dass man nicht alleine ist. Noch besser ist es, wenn man sich erinnert, dass es jemanden gibt, der einen führen will. Man muss es aber auch zulassen. Ich weiß nicht, was ich ohne meinen Glauben und die Kirchengemeinde gemacht hätte, wo ich gelandet wäre. Es ist auch sinnlos darüber nachzudenken. Wichtig ist das Wissen: auch in den dunkelsten Zeiten meines Lebens ist Gott immer bei mir und will mir einen Ausweg zeigen. Ich darf das nur nicht immer wieder vergessen sondern, muss darauf vertrauen, dass er mir hilft und weiß, was das Beste für mich ist. Ich wünsche Ihnen und euch eine schöne Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Start in´s neue Jahr!

Angela Frenzel

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