Monatswort August – September

„Und sie waren täglich einmütig beieinander.“
(Apostelgeschichte 2, 46a)
Das müssen damals schöne Zeiten gewesen sein als es anfing mit den ersten christlichen Gemeinden! Da lebten sie noch „einmütig“ beieinander! Diese Auffassung allerdings ist eine sehr einseitige Sicht der Dinge. Wenn von den ersten Christen die Rede ist, denken wir an ein Ideal des Zusammenlebens wie hier in der Apostelgeschichte. Das war aber keineswegs die damalige Realität. Denn bereits im ersten Korintherbrief warnt der Apostel Paulus vor Spaltungen in der Gemeinde, die sich an Personen entzünden. „Ich ermahne euch aber, Brüder und Schwestern, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle mit einer Stimme redet; und lasst keine Spaltungen unter euch sein, sondern haltet aneinander fest in einem Sinn und in einer Meinung.“ (1. Korinther 1,10)

In der Apostelgeschichte (5, 1 -11) gibt es Christen, die ihre Besitzverhältnisse nicht offenlegen, um sie nicht in die Gütergemeinschaft einbringen zu müssen. Auch in den Evangelien werden etliche Konflikte angedeutet. Selbst die Jünger streiten darüber, wer von ihnen einst im Reich Gottes zur Linken und zur Rechten von Jesus sitzen darf.
Darauf reagiert Jesus mit ganz neuen Maßstäben. Er macht seinen Freunden klar, dass es bei ihnen ganz anders sein soll als üblich. Im Sinne Jesu handeln nicht diejenigen, die am lautesten sind. Der Rang eines Gemeindemitgliedes solle sich daran bemessen, wie sehr er den anderen dient. „Wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht.“ (Matthäus 20, 27)

Christliche Einmütigkeit scheint also nicht so einfach herstellbar zu sein. Auch wir heutigen Christen sind „nur“ Menschen mit all unseren Ecken und Kanten, mit unseren Ängsten und dem Bedürfnis nach Sicherheit. Am besten kennen wir uns aus in unserer kleinen Welt, die uns vertraut ist. Ein-Mütigkeit! Es erfordert also Mut, sich herauszuwagen, auf andere zuzugehen und vielleicht mit ihnen neue Wege zu finden. Und wahrscheinlich werden wir auch etwas zurücklassen müssen.
„Einmütig sein“ – das können Christen, wenn sich alle nach Jesus Christus ausrichten. Wenn die Kommunikation untereinander schwierig wird, ist das oft ein Hinweis darauf, dass diese Zentrierung aus dem Blick geraten ist und dass eigentlich Unwesentliches viel zu wichtig geworden ist. Um die Einmütigkeit zu stärken, hilft es zu fragen: Was ist der Kern unseres Christseins und wie machen wir Jesus Christus groß?
Eine gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin Swantje Adam

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