„Fürchtet euch nicht“ so spricht der Engel in der Weihanchtsgeschichte die Hirten an. Stellen Sie sich mal vor, jetzt würde ein Engel erscheinen und sagen: „Fürchtet euch nicht! Die Coronainfektionszahlen werden bis Weihnachten ganz von alleine zurückgehen und ihr könnt Weihnachten feiern wie jedes Jahr!“ Das wär´s doch, oder? Wenn wir uns keine Gedanken darüber machen bräuchten ob, wie und mit wem wir Weihnachten dieses Jahr feiern dürfen. Ich fürchte aber, das ist Wunschdenken.

Wird nicht passieren. Statt dessen wird die Adventszeit sehr viel leiser sein als in den letzten Jahren. Keine Weihnachtsmärkte, keine Konzerte, keine neuen Kinoblockbuster, kein Theater. Aber auch kein Gerenne von einer Weihnachtsfeier zur nächsten. Kein Termindruck für Eltern, die sonst mit den Terminen aller Familienmitglieder jonglieren müssen um möglichst allen Anforderungen gerecht zu werden. Ich weiß, Weihnachten ist nicht das höchste Fest der Christenheit, das ist und bleibt Ostern. Und doch, ohne Weihnachten wäre Ostern nicht möglich, ohne die Geschichte vom Kind, das im Stall geboren wurde, gäbe es auch die Auferstehung nicht. Eine Geburt, ein neugeborenes Menschenkind ist etwas, das die meisten Menschen kennen. Sie haben selbst Kinder oder Nichten und Neffen oder kennen Familien mit Kindern, sind Taufpaten. Das ist soviel lebensnaher als die Auferstehung, dass ich verstehen kann, dass Weihnachten für die meisten Menschen das wichtigere Fest ist. Dazu kommt noch, dass die Advents- und Weihnachtszeit in Europa in die dunkle Jahreszeit fällt und mit ihren Lichtern und geschmückten Häusern sehr tröstlich ist. Das soll sie auch in diesem seltsamen Jahr 2020 sein, das ja nun wirklich zum Fürchten war. Auch wenn wir nicht im großen Familien- und Freundeskreis feiern können, wenn es kein Krippenspiel in der Kirche gibt. Weihnachten findet trotzdem statt. Vielleicht schauen Sie mal, ob in Ihrer Nachbarschaft jemand lebt, der ganz allein ist über die Feiertage, weil die Angehörigen so weit weg leben, dass sie in diesem Jahr nicht kommen können. Und schenken demjenigen ein Zeichen der Hoffnung. Zum Beispiel den Papierengel, den ich jedem Boten beilegen werde. Er soll Sie erinnern an die Botschaft des Engels: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freunde, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids.“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und euch, uns allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein viel besseres Jahr 2021!
Liebe Brüder und Schwestern,
was ist eigentlich Barmherzigkeit? Was zeichnet sie aus, und warum werden wir aufgerufen, barmherzig zu sein? Eine Antwort gibt die Jahreslosung für das Jahr 2021 schon gleich im zweiten Halbsatz: Wir werden herausgerufen, barmherzig zu sein, weil Gott barmherzig ist. Und nach unserer christlichen Vorstellung können wir auch nur barmherzig sein oder Barmherzigkeit üben, weil Gott zuvor barmherzig war. In erster Linie leitet sich die Barmherzigkeit also von Gott ab. Er ist mir gegenüber barmherzig, und deshalb kann ich Barmherzigkeit üben. Und wenn wir den weiteren Vers aus dem Lukasevangelium zur Jahreslosung hinzunehmen, so wird sofort deutlich, an wen sich unsere Barmherzigkeit zu richten hat: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.“ (Lukas 6,36 + 37) Es ist gut, dass der Evangelist Lukas deutlich macht, wie wir Barmherzigkeit üben sollen, und dass sie sich immer an unseren jeweiligen Nächsten zu richten hat. So können wir die Nächstenliebe als einen ganz starken Aspekt der Barmherzigkeit betrachten; z. B. Menschen in Not unser Herz zu öffnen. Vielleicht kann uns die Jahreslosung dazu im neuen Jahr immer wieder einmal daran erinnern. Und vielleicht komme ich selbst so auch zu einer größeren „Fehlerfreundlichkeit“ anderen gegenüber; und sie sind es mir gegenüber auch. Das wünsche ich mir und Ihnen im neuen Jahr. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein gesegnetes Jahr 2021

Angela Frenzel und ihr Kreisoberpfarrer Jürgen Tobies

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