St. Johannes Zieko

Kaum angekommen bauten die christlichen Siedler eine Dorfkirche aus Holz und Feldsteinen, der heutige Altarraum. 1667 erfolgte ineiner zweiten Etappe der Anbau des Kirchenschiffes mit flacher Holzdecke und Dachreiter. Außerdem wurden die Fenster vergrößert. Am 28. Juni 1892 hatte eine Baurevision ergeben, dass sich der Dachreiter aus dem Lote geneigt hatte. Grund waren verfaulte Hölzer im Dachgebälk. Am 15. Mai 1894 wurde mit dem Abriss des alten Turmes begonnen und bereits am Nachmittag des 23. Mai wurde der Grundstein für einen neuen Turm an der Westseite des Gebäudes gelegt. Die Kosten hierfür waren zunächst mit 7000 Reichsmark veranschlagt, man erhoffte sich jedoch mit 6000 RM auszukommen. Die drei feierlichen Hammerschläge wurden durch folgende Personen getan: Pastor Franz Holzmann, Maurerpolier A. Lahn in Vertretung seines Meisters, Hüfner Krause als Kirchenältester, Kossat Friedrich, Stellmacher Tietsch, Auszügler Handrich, diese drei als kirchliche Gemeindevertreter, Ortsschulze Christian Hennig und der Standesbeamte Hüfner Albert Hennig. Den aus Ziegelsteinen gemauerten spitzen Kirchturm könnte man heute als weit sichtbares Wahrzeichen von Zieko bezeichnen. Er ist 23,75 m hoch und damit genauso hoch wie das Kirchengebäude lang ist. Der Turm besitzt eine Turmuhr mit vier Zifferblätter. Die gesamte Kirche in ihrer heutigen Ansicht ist also in drei Etappen entstanden. Im Innern stammt ein achteckiger Taufstein (romanische Kelchform) aus dem 14. Jahrhundert. Die zinnerne Taufschale sowie der Abendmahlskelch sind aus dem Jahr 1690 und Geschenke ehemaliger Pfarrer der Kirche zu Zieko. Das Baujahr der Kanzel wird mit 1700 angegeben. Diese zeigt in den Feldern Darstellungen, welche Christus und die Evangelisten verkörpern. Eine Besonderheit ist der Altaraufsatz, weil Palmen und nicht wie üblich Säulen das Altarblatt mit einem Gemälde der Kreuzigung begrenzen. Palmen gelten dem Einzug Jesus in Jerusalem folgend, als Symbol des Sieges über den Tod und des Einzuges ins Paradies. Die Predella (Gemälde oder Schnitzereien unterhalb des Altarbildes) mit der Darstellung des letzten Abendmahls sowie der Auferstehung im Giebel ergänzen diesen einzigartigen Altar. Im Jahr 1800 wurde von der Firma Rühlmann / Zörbig eine Orgel eingebaut, die aber im Zuge von Renovierungsarbeiten im Jahr 2000 ausgebaut werden musste, weil der Kostenaufwand für eine Reparatur von der Gemeinde nicht gestemmt werden konnte. Die St. Johannis-Kirche in Zieko verfügt als einzige im Umkreis heute noch über zwei Glocken. Die ältere Glocke aus dem Jahre 1495 wurde von einem unbekannten Meister gegossen und hat einen Durchmesser von 80 cm. Die zweite Glocke aus dem Jahr 1690 hat einen Durchmesser von 62 cm und entstand in der einzigen Glockengießerei ,Johann Koch – Vater und Sohn, von Zerbst. Sie trägt die Umschrift „ Verbum domini manet in aeternum“ (Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit). Die größere Glocke sollte im 1. Weltkrieg das Schicksal vieler Kirchenglocken teilen und für Rüstungszwecke eingeschmolzen werden. Sie war bereits ausgebaut, konnte aber als einzigeGlocke von allen zur Einschmelzung vorgesehenen Glocken wieder zurückgeführt werden. Durch erhaltene hölzerne Türstürze ist es möglich die Bauzeit der Kirche einzugrenzen. Die Sparren des Kirchenschiffes stammen aus der Zeit zwischen 1183 und 1203. Die ZiekoerKirche ist mit großer Wahrscheinlichkeit in den 1190-iger erbaut worden. Bauzeit und Konstruktion des Dachstuhles gleichen der Kirche in Luko. Die Kirche in Zieko war 1527 Mutterkirche von Luko und Düben. Jeder Friedhof hat Geschichte und erzählt Geschichten, so auch der in Zieko. Epitaphe aus dem 18. Jahrhundert lehnen an der Kirche. Zum Beispiel betrauern die Eltern den Unfalltod des Sohne, der bei einer Schießübung 1892 den Tod fand, auf einem Grabstein so: “ Ohne Abschied von den Deinen riss des Gewehres Blei dich fort …“ 1992 wurde der Turm, 1994 das Kirchendach, 2000 und 2001 der Innenraum saniert.

Kontakt

Reginalpfarramt Coswig-Zieko, Schloßstraße 58, 06869 Coswig (Anhalt),
Pfrn. Swantje Adam, Tel. 034903 / 489152,
E-Mail: pfarramt.coswig@kircheanhalt.de.

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